Das "Goldene" Zeitalter

In jener Zeit, da das naturgewollte Wirken in höchster Form noch auf der Erde herrschte, schätzte man nicht Weisheit hoch und fragte nicht nach Fähigkeit. Der Herrscher glich einem Baume, der mit seinen Zweigen alles schirmt, das Volk war wie die Rehe, die sich unter seine Krone schmiegen. Die Menschen waren rechtschaffen und gerade, ohne zu wissen, was Pflicht ist. Sie liebten ihren Nächsten, ohne zu wissen, was Liebe ist. Sie waren treu, ohne zu wissen, was Treue ist. Sie waren wahrhaft, ohne zu wissen, was Wahrhaftigkeit ist. In aller Selbstverständlichkeit halfen sie einander, ohne das als besondere Güte zu empfinden. Darum hinterließen ihre Taten keine Spuren, und ihre Werke wurden nicht der Nachwelt überliefert.

Dschuang-Dsi ca. 365 - 290 v. Chr.; chinesischer Mystiker, Dichter und Philosoph

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