:: Das letzte Interview bezüglich meiner Arbeit als Behindertenbeauftragter und im Hinblick zur Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande! ::
Zur Person
Jürgen Prüfer wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Er wurde in Jena geboren und wuchs in Apolda auf. Von Beruf ist er Elektroinstallateur und -monteuer. Eine schwere Krankheit, zahlreiche Operationen und einige Schicksalsschläge in der Familie änderten seinen Lebensweg. Nach Neuhaus am Rennweg kam Jürgen Prüfer durch seine Lebensgefährtin. Hier gründete er vor 14 Jahren den Förderverein Humanitas e.V. - für lernbehinderte Kinder und Jugendliche. Seit 12 Jahren ist er Mitglied im weltweit agierenden Verein Anthropos e.V. - für die Kinder dieser Welt. Im August 2003 ist er in den Vorstandsbeirat gewählt worden. Außerdem arbeitet er, wenn es die Zeit erlaubt, im unabhängigen Thüringer Elternverband (TEV) e.V. mit.
Für sein soziales Engagement ist er jetzt - noch von Bundespräsident Johannes Rau - mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt worden. Dieser Orden wird ihm im September vom Gesundheits- und Sozialminister Dr. Zeh in der Staatskanzlei in Erfurt feierlich überreicht.
Foto: camera900.de
Jürgen Prüfer beschäftigte sich viel mit barrierefreien Bauen.
Am 31. Juli beendet der Behindertenbeauftragte des Landkreises Sonneberg, Jürgen Prüfer, seine Tätigkeit. Freies Wort sprach mit ihm über sein Wirken für die Menschen mit Behinderung im Landkreis Sonneberg.
Herr Prüfer, Sie waren 2001 der erste hauptamtliche Behindertenbeauftragte im Landkreis Sonneberg. Womit haben Sie sich in den vergangenen Jahren beschäftigt?
Jürgen Prüfer: 2001 zunächst mit der Frage, womit ich mich beschäftigen soll. Ich wusste, dass ich mich um barrierefreies Bauen und die Beratung behinderter Menschen kümmern wollte. Aber zunächst musste ich meine weiteren Arbeitsfelder bestimmen, weil ja noch keine Erfahrungen auf diesem Gebiet vorlagen. Über das "Bündnis Gleichstellung 2000" habe ich Kontakt mit den anderen, genau wie ich frisch gebackenen, Behindertenbeauftragten aufgenommen. Meine erste Ansprechpartnerin war Christiane Bergmann aus Jena. Mit ihr und meinen Kolleginnen aus Weimar und Arnstadt habe ich ein Netzwerk der kommunalen Behindertenbeauftragten aufgebaut, das auch heute noch funktioniert. Wir treffen uns vier mal im Jahr und sind auch im Internet mit einer eigenen Seite zu finden (http://www.forum-bb-thueringen.de.tt - die Seite ist seit Januar 2008 geschlossen). Unsere Hauptaufgabenfelder sind die Beratung behinderter und alter Menschen, barrierefreies Bauen und die Zusammenarbeit zwischen den Behindertenverbänden und überhaupt alles was mit Behinderung zu tun hat. Was ich konkret in Angriff nehmen muss, wusste ich also am Anfang noch nicht, wohl aber wie ich es tun würde. Meine Maxime war immer: Man sieht nur mit dem Herzen gut und an erster Stelle steht der Mensch!
Was haben Sie für die Menschen mit Behinderung im Landkreis Sonneberg erreicht in den vergangenen drei Jahren?
Jürgen Prüfer: Wir haben große Fortschritte im barrierefreien Bauen gemacht, ebenfalls im barrierefreien ÖPNV. Das SonneBad und die angrenzende Eishalle haben nicht nur einen barrierefreien Zugang. Es gibt im Bad wie auch in der Eishalle eine barrierefreie Toilette, im Bad ebenfalls eine barrierefreie Umkleide, die Schwimmbecken sind barrierefrei erreichbar, es gibt Parkplätze für behinderte Menschen und einen Parkplatz für einen Kleinbus für Behindertengruppen direkt am Eingang und vieles mehr. Das Bad wird von der Thüringer Architektenkammer und von Factus 2 diesbezüglich hoch gelobt. Weiter habe ich in vielen Beratungsgesprächen alten und behinderten Menschen weiter helfen können. Der Kreistag Sonneberg hat sich geschlossen hinter die Bremer Erklärung gestellt. In ihr wurde ein Antidiskriminierungsgesetz, in dem auch behinderte Menschen Berücksichtigung finden, für Deutschland gefordert. Wir haben im Landkreis Sonneberg ein "Soziales Netzwerk" - für Menschen mit Behinderung gegründet. Erstmals kamen alle Verbände, die sich mit Behindertenarbeit befassen, an einen Tisch. Dieses Netzwerk wird künftig durch den Geschäftsführer des Diakoniewerkes, Herrn Stark, weitergeführt. Dafür danke ich Herrn Stark sehr.
Ich hoffe, dass dies alles auch in Zukunft weiter gepflegt und ausgebaut werden kann. Nur so kann es erhalten werden!
Was blieb unerledigt?
Jürgen Prüfer: Vieles was ich auf den Weg bringen wollte, habe ich auch geschafft, wobei drei Jahre doch eine relativ kurze Zeit sind um etwas auf den Weg zu bringen. Wenn aber das bisher Geschaffene gepflegt wird und weiter verfolgt wird, dann wird alles gut, denn dabei kommen mit Sicherheit auch neue Ideen.
Leider war aber die Zeit zu kurz um eine Organisation, welche mir besonders am Herzen liegt, hier in Thüringen heimisch zu machen. Es ist das Netzwerk People First Deutschland. In diesem Netzwerk kümmern sich so genannte geistig behinderte Menschen um Selbstbestimmung behinderter Menschen, "Leichte Sprache" und vieles mehr. Ich will versuchen mit People First im Gespräch zu bleiben und die Werkstatträte der WfbM's im Landkreis für meine Idee sensibilisieren.
Herr Prüfer so ganz freiwillig scheiden Sie nicht aus dem Amt?
Jürgen Prüfer: Nein, ehrlich gesagt. Meine hauptamtliche Tätigkeit beruht auf einer Strukturanpassungsmaßnahme des Arbeitsamtes, die jetzt ausläuft. Ich war drei Jahre mit Leib und Seele dabei und habe gehofft, dass sie verlängert wird (ist aber aus gesetzlichen Gründen nicht möglich). Innerlich hoffte ich aber eine Festeinstellung zu bekommen, zumal ich mich, denke ich, mit der Qualität meiner Arbeit empfohlen habe.
Wer wird ihr Nachfolger als Behindertenbeauftragter?
Jürgen Prüfer: Das kann ich nicht sagen! Die Aufgabenfelder des barrierefreien Bauens sind jedenfalls der Bauaufsicht zugeordnet worden, anderes soll ehrenamtlich gemacht werden. Ich empfinde das als bitter! Gerade die hintan stehenden Menschen brauchen unsere Zuneigung und Fürsorge, denn:
"Was der Welt am meisten fehlt,
sind Menschen, die sich mit den
Nöten anderer beschäftigen!"
Albert Schweitzer
1857-1965 - Friedensnobelpreisträger
Das Interview führte Martina Hunka, Lokalredaktion "Freies Wort" Sonneberg. (Herzlichen Dank dafür!) |
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